Implantat bei Diabetes, Osteoporose oder Blutverdünnern – geht das?
Drei häufige Situationen, eine gemeinsame Antwort: Nicht die Diagnose allein entscheidet, sondern wie gut sie eingestellt ist – und wie sorgfältig geplant wird
Dr. Jens Dreißig · Zahnarzt und Fachzahnarzt für Oralchirurgie · Dinkelsbühl
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Implantat bei Diabetes ist laut Leitlinie bei richtiger Indikation und risikoorientiertem Vorgehen ein sicheres und vorhersagbares Verfahren.
- Bei schlecht eingestelltem Blutzucker heilen Implantate langsamer ein, und das Risiko für Entzündungen am Implantat kann steigen.
- Unter Osteoporose-Medikamenten wie Bisphosphonaten sind Implantate möglich, brauchen aber eine risikoangepasste Planung.
- Blutverdünner werden vor zahnärztlichen Eingriffen nicht eigenmächtig abgesetzt. Das Vorgehen legen Behandler und Ärzte gemeinsam fest.
- Entscheidend ist, dass wir alle Erkrankungen und Medikamente kennen – dann lässt sich die Behandlung darauf abstimmen.
„Ich habe Diabetes – kann ich trotzdem ein Implantat bekommen?“ Diese Frage hören wir oft, ebenso bei Osteoporose oder wenn jemand Blutverdünner einnimmt. Gerade wer nach Jahren mit einer wackelnden Prothese wieder fest zubeißen möchte, fürchtet, dass eine Erkrankung den Weg versperrt. Die gute Nachricht vorweg: Keine dieser drei Situationen schließt ein Implantat von vornherein aus. Sie verändern aber die Planung. In diesem Artikel erklären wir, was die Fachgesellschaften dazu sagen und welche Angaben wir von Ihnen brauchen. Ob das Alter eine Rolle spielt und wie lange eine Implantatbehandlung dauert, lesen Sie in eigenen Beiträgen.
Implantat bei Diabetes: Auf die Einstellung kommt es an
Diabetes gilt heute nicht mehr als Grund gegen ein Implantat. Die S3-Leitlinie „Zahnimplantate bei Diabetes mellitus“ der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (2023) hält fest: Bei korrekter Indikationsstellung und einem risikoorientierten Vorgehen sind Zahnimplantate auch bei Menschen mit Diabetes ein sicheres und vorhersagbares Verfahren.
Gleichzeitig nennt die Leitlinie zwei Punkte, die man kennen sollte. Bei schlecht eingestelltem Blutzucker heilen Implantate langsamer ein. Eine sofortige oder frühe Belastung – also die feste Krone schon kurz nach dem Einsetzen – wird dann kritisch gesehen. Außerdem scheint das Risiko für Entzündungen rund um das Implantat, die Periimplantitis, mit der Zeit zu steigen, besonders bei schlechter Einstellung. Die Leitlinie empfiehlt deshalb, in der Nachsorge nach dem Langzeitblutzucker, dem HbA1c-Wert, zu fragen und das Zahnfleisch regelmäßig zu kontrollieren. Bringen Sie Ihre aktuellen Werte gern zur Beratung mit.
Implantat bei Osteoporose: Das Medikament zählt
Bei Osteoporose steht für die Implantatplanung vor allem die Frage im Mittelpunkt, welche Medikamente Sie einnehmen oder eingenommen haben. Viele Betroffene erhalten sogenannte Antiresorptiva, etwa Bisphosphonate, die den Knochenabbau bremsen. Laut der aktualisierten S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (2026) sind Implantate unter diesen Medikamenten möglich, erfordern jedoch eine risikoangepasste Planung.
Der Hintergrund: Als seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung dieser Medikamente kann eine Kiefernekrose auftreten, bei der Kieferknochen nicht mehr richtig heilt. Auslöser sind oft chirurgische Eingriffe im Mund. Die Leitlinie unterscheidet dabei nach Anlass und Dosis: Bei Osteoporose werden niedrigere Dosen eingesetzt, das Risiko ist geringer als bei einer Krebstherapie mit hohen Dosen. Zur Planung gehören laut Leitlinie, Entzündungsherde vorher zu behandeln, große Knochenaufbauten möglichst zu vermeiden und eine konsequente Nachsorge. Bringen Sie deshalb bitte eine vollständige Liste Ihrer Medikamente mit – auch solcher, die Sie früher genommen haben oder als Spritze oder Infusion bekommen.
Implantat bei Blutverdünnern: nicht einfach absetzen
Wer Blutverdünner einnimmt, sorgt sich oft um Nachblutungen. Wichtig ist vor allem eines: Setzen Sie Ihre Medikamente nicht eigenmächtig ab. Sie schützen vor Blutgerinnseln, etwa nach einem Herzinfarkt, einem Stent oder bei Vorhofflimmern. Die Deutsche Herzstiftung erklärt am Beispiel von ASS, dass ein Absetzen bei den meisten zahnärztlichen Eingriffen nicht notwendig ist, weil sich Blutungen örtlich gut stillen lassen. Nur bei größeren chirurgischen Eingriffen kann das anders sein; die Entscheidung trifft der behandelnde Zahnarzt oder Kieferchirurg.
Bei anderen Blutverdünnern stimmen wir das Vorgehen bei Bedarf mit Ihrer Hausärztin, Ihrem Hausarzt oder Ihrer Kardiologin beziehungsweise Ihrem Kardiologen ab. Für die Planung brauchen wir den genauen Namen des Medikaments und die Dosis. Implantationen und Kieferaufbau führt bei uns der Fachzahnarzt für Oralchirurgie selbst durch; geplant wird mit 3D-Röntgen im Haus.
Drei Situationen im Überblick
| Situation | Was zählt | Bitte mitbringen |
|---|---|---|
| Diabetes | Einstellung des Blutzuckers, Einheilzeit, Nachsorge | aktueller HbA1c-Wert |
| Osteoporose | Art, Dosis und Dauer der Medikamente | vollständige Medikamentenliste, auch frühere |
| Blutverdünner | Wirkstoff, Grund der Einnahme, Umfang des Eingriffs | Name und Dosis, Kontakt der behandelnden Ärzte |
Dieser Artikel erklärt die Grundlagen allgemein. Er ersetzt keine persönliche Beratung und keine zahnärztliche Diagnose. Ändern Sie Ihre Medikamente nie ohne Rücksprache mit Ihren behandelnden Ärzten.
Wir planen mit Ihrer Gesundheit, nicht an ihr vorbei
Sie haben eine Vorerkrankung und wünschen sich wieder festen Halt? Ob ein Implantat für Sie infrage kommt, hängt vor allem vom Kieferknochen und Ihrer allgemeinen Gesundheit ab – das klären wir bei der Untersuchung, in Ruhe und ohne Druck. Rufen Sie uns an unter 09851 / 55 44 95 oder nutzen Sie unsere Online-Rezeption.
Häufige Fragen
Frage: Kann ich als Diabetiker ein Zahnimplantat bekommen?
Antwort: In vielen Fällen ja. Laut Leitlinie ist ein Implantat bei Diabetes bei richtiger Indikation und risikoorientiertem Vorgehen ein sicheres und vorhersagbares Verfahren. Wichtig sind eine gute Blutzuckereinstellung und eine regelmäßige Nachsorge.
Frage: Geht ein Implantat trotz Bisphosphonaten?
Antwort: Implantate sind unter diesen Medikamenten möglich, brauchen aber eine risikoangepasste Planung. Entscheidend sind Anlass, Dosis und Dauer der Einnahme.
Frage: Muss ich Blutverdünner vor der Implantation absetzen?
Antwort: Bitte nicht eigenmächtig. Bei vielen zahnärztlichen Eingriffen ist ein Absetzen nicht nötig. Das Vorgehen legen wir bei Bedarf gemeinsam mit Ihren behandelnden Ärzten fest.
Frage: Bei welchen Krankheiten sind keine Zahnimplantate möglich?
Antwort: Das lässt sich nicht pauschal sagen. Viele Erkrankungen schließen ein Implantat nicht aus, verändern aber die Planung. Ob es bei Ihnen möglich ist, klären wir bei der Untersuchung.
Frage: Was sollte ich zur Beratung mitbringen?
Antwort: Eine vollständige Liste Ihrer Medikamente, bei Diabetes den aktuellen HbA1c-Wert und, wenn vorhanden, Arztbriefe zu Ihren Erkrankungen.
Dr. Jens Dreißig ist Zahnarzt und Fachzahnarzt für Oralchirurgie und führt seit 2008 seine Praxis in Dinkelsbühl. Schwerpunkte der Praxis sind Oralchirurgie, Implantologie, Zahnerhalt und die Begleitung von Menschen mit Zahnarztangst.
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