Wie Parodontitis behandelt wird – Ablauf, Erfahrung, Ergebnis

Medizinisch geprüft am 10.06.2026 von Dr. Jens Dreißig | Fachzahnarzt für Oralchirurgie in Dinkelsbühl


Sie wissen, dass Sie eine Parodontitis haben – oder haben den Verdacht, dass etwas nicht stimmt. Jetzt stellt sich die Frage: Was kommt auf Sie zu? Was passiert beim ersten Termin, wie fühlt sich die Behandlung an, und wie lange dauert das alles? Dieser Beitrag begleitet Sie durch den Behandlungsweg – aus der Perspektive des Patienten, nicht der Lehrbuchdefinition.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Behandlung beginnt immer mit einer gründlichen Befundaufnahme – erst dann folgt der individuelle Plan.
  • Das eigentliche Scaling und Root Planing (Reinigung unterhalb des Zahnfleischrands) wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt und ist während des Eingriffs schmerzfrei.
  • Die aktive Behandlungsphase dauert in der Regel mehrere Wochen und wird auf mehrere Termine verteilt.
  • Der SiroLaser Blue ergänzt die mechanische Reinigung und fördert die Gewebeheilung in den Taschen.
  • Nach Abschluss der aktiven Phase beginnt die Erhaltungsphase – regelmäßige Recall-Termine sichern das Ergebnis langfristig.

Der erste Termin: Befundaufnahme und Parodontalstatus

Bevor wir irgendetwas behandeln, schauen wir genau hin. Der erste Schritt ist immer eine vollständige Befunderhebung – der sogenannte Parodontalstatus. Dabei messen wir an allen Zähnen die Tiefe der Zahnfleischtaschen, notieren Blutungspunkte und beurteilen den Knochenstand auf dem Röntgenbild.

Das klingt nach Routine – und ist es auch. Aber es ist eine Routine, die den Unterschied macht. Erst wenn wir wissen, wie tief die Taschen sind, welche Bereiche aktiv entzündet sind und wie weit der Knochen bereits zurückgegangen ist, können wir einen sinnvollen Behandlungsplan aufstellen. Bei unklaren Befunden oder wenn eine genaue dreidimensionale Beurteilung des Knochenangebots nötig ist, nutzen wir unser eigenes Planmeca-DVT-Gerät – strahlungsarm und hochauflösend.

Am Ende des ersten Termins besprechen wir den Befund mit Ihnen offen und verständlich: Was haben wir gefunden? Was bedeutet das? Und was sind die nächsten sinnvollen Schritte?

Hinweis: Dieser Artikel dient zur allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle zahnärztliche Untersuchung. Bei Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Zahnarztpraxis.

Phase 1 – Die Hygienephase: gemeinsam die Grundlage schaffen

Jede Parodontitis-Behandlung beginnt mit einer Phase, in der wir gemeinsam die Grundlagen legen. Das hat einen guten Grund: Selbst die beste professionelle Reinigung verliert ihren Effekt, wenn die häusliche Mundhygiene nicht stimmt. Bakterien in Zahnbelag und Zahnstein sind die Ursache der Entzündung – und sie kehren zurück, wenn wir ihnen täglich die Grundlage lassen.

In dieser Phase reinigen wir zunächst alle Zähne professionell. Unser NSK Varios Combi Pro – ein modernes Kombisystem aus Ultraschall und Pulverwasserstrahl-Technologie – entfernt Zahnstein und Biofilm gründlich, schont dabei aber empfindliche Zahnhälse und Implantatoberflächen. Die Reinigung ist bei gesunden Zahnhälsen in der Regel schmerzfrei; bei freiliegenden, empfindlichen Zahnhälsen setzen wir auf Wunsch eine lokale Betäubung ein.

Gleichzeitig zeigen wir Ihnen, wie Sie Ihre tägliche Reinigungsroutine optimieren können – konkret auf Ihre Situation zugeschnitten. Welche Zahnbürste, welche Technik, welche Hilfsmittel? Das ist kein erhobener Zeigefinger, sondern Grundlage dafür, dass die Behandlung nachhaltig wirkt.

Phase 2 – Scaling und Root Planing: die eigentliche Therapie

Wenn die Zahnfleischtaschen tiefer als etwa 3,5 bis 4 mm sind, reicht eine reguläre PZR nicht mehr aus. Dann braucht es die subgingivale Reinigung: Scaling und Root Planing. Dabei wird unterhalb des Zahnfleischrands gearbeitet – Zahnstein und infiziertes Wurzelzement werden entfernt, die Wurzeloberfläche wird geglättet. Nur eine saubere, glatte Wurzeloberfläche bietet den Bakterien zu wenig Angriffsfläche und ermöglicht es dem Gewebe, wieder anzuwachsen.

Dieser Schritt wird grundsätzlich unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Während des Eingriffs ist er dadurch schmerzfrei. Manche Patienten berichten in den Tagen danach von einem leichten Druckgefühl oder erhöhter Empfindlichkeit der Zahnhälse – das ist normal und klingt in der Regel innerhalb weniger Tage ab.

Je nach Ausmaß der Erkrankung wird die Behandlung auf mehrere Sitzungen aufgeteilt – oft nach Quadranten (je ein Viertel des Gebisses pro Termin). Das hat den Vorteil, dass das Gewebe sich abschnittsweise erholen kann und der Aufwand pro Termin überschaubar bleibt.

Phase 2 (ergänzend) – Laserunterstützte Dekontamination mit dem SiroLaser Blue

Mechanische Instrumente erreichen die Bakterienlast in den Taschen sehr gut – aber nicht vollständig. Gerade in schwer zugänglichen Winkeln tiefer Taschen oder an verzweigten Wurzelanteilen bleiben einzelne Keime zurück. Hier setzt unser SiroLaser Blue an.

Das blaue Laserlicht (445 nm) dringt in die behandelten Taschen ein und reduziert die verbleibende Keimzahl zuverlässig. Die Behandlung erfolgt nahezu blutungsfrei und ohne Nähte. Gleichzeitig regt das Laserlicht die Gewebeheilung an – das Gewebe erholt sich nach einer laserunterstützten Behandlung messbar ruhiger und schneller.

Der SiroLaser ist kein Ersatz für das Scaling, sondern seine sinnvolle Ergänzung: mechanisch + Laser zusammen ergibt eine gründlichere Keimminderung, als jede Methode allein leisten könnte.

Der Behandlungsweg im Überblick

Phase Was passiert Wie fühlt es sich an
Befundaufnahme Parodontalstatus (Taschenmessungen), Röntgen, ggf. DVT, offenes Gespräch über Befund und Plan. Messsonde ist nicht schmerzhaft; leichtes Druckgefühl möglich.
Hygienephase Professionelle Zahnreinigung (NSK Varios Combi Pro), Mundhygiene-Unterweisung. Bei gesunden Zahnhälsen schmerzfrei; bei Empfindlichkeit Betäubung möglich.
Scaling & Root Planing Subgingivale Reinigung, Wurzelglättung, ggf. Laserbehandlung mit SiroLaser Blue. Unter örtlicher Betäubung schmerzfrei; Druckgefühl in den Tagen danach normal.
Reevaluation Kontrolle des Behandlungserfolgs 4–8 Wochen nach Abschluss: Taschenmaße, Blutungspunkte, Gewebezustand. Befundbesprechung; meist sichtbare Verbesserung der Taschentiefen.
Erhaltungsphase (Recall) Individuelle Recall-Termine alle 3–6 Monate: PZR, Kontrolle, Frühwarnung bei Rückfall. Reguläre Reinigungstermine; vertrautes Setting.

Was sich nach der Behandlung verändert – und was bleibt

Viele Patienten stellen nach einer erfolgreichen Parodontaltherapie fest, dass das Zahnfleisch nicht mehr blutet, die Empfindlichkeit nachlässt und die Zähne sich stabiler anfühlen. Das sind gute Zeichen – sie zeigen, dass die Entzündung zurückgeht und das Gewebe sich erholt.

Ein Punkt braucht aber ehrliche Einordnung: Wer zuvor gerötetes und geschwollenes Zahnfleisch hatte, dem fällt nach erfolgreicher Behandlung auf, dass das Zahnfleisch etwas zurückgegangen zu sein scheint – die Zahnhälse wirken länger. Das ist kein Rückschritt, sondern das Gegenteil: Die Schwellung ist abgeklungen, das Gewebe hat sich in seine gesunde Form zurückgezogen. Die sichtbare Länge der Zahnhälse ist das Ergebnis gesunden Zahnfleischs, nicht von weiterem Rückgang.

Was bleibt: Parodontitis ist eine chronische Erkrankung. Das bedeutet, dass die Erkrankung nach erfolgreicher Behandlung in Remission ist – nicht geheilt im absoluten Sinne. Wer regelmäßig zu seinen Recall-Terminen kommt und die häusliche Mundhygiene aufrechterhält, kann diesen Zustand langfristig stabil halten. Die Erfahrung zeigt: Das gelingt den meisten Patienten gut.

Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den typischen Behandlungsablauf. Der individuelle Verlauf hängt vom Befund, den Risikofaktoren und der Mitarbeit des Patienten ab. Ihr persönlicher Behandlungsplan wird gemeinsam nach der Befundaufnahme festgelegt.

Bereit für den ersten Schritt?

Eine Parodontitis-Behandlung beginnt mit einem Gespräch und einer gründlichen Befundaufnahme. Dr. Jens Dreißig und das Team in Dinkelsbühl begleiten Sie durch jeden Schritt – verständlich erklärt, im eigenen Tempo, ohne Druck.

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Häufige Fragen zur Parodontitis-Behandlung

Frage: Tut eine Parodontitis-Behandlung weh?
Antwort: Die professionelle Zahnreinigung ist bei gesunden Zahnhälsen in der Regel schmerzfrei. Bei freiliegenden, empfindlichen Zahnhälsen kann eine lokale Betäubung eingesetzt werden. Das eigentliche Scaling und Root Planing wird grundsätzlich unter örtlicher Betäubung durchgeführt und ist daher während des Eingriffs schmerzfrei.

Frage: Wie lange dauert eine Parodontitis-Behandlung insgesamt?
Antwort: Die aktive Behandlungsphase erstreckt sich in der Regel über mehrere Wochen. Nach der Hygienephase folgt das Scaling und Root Planing, oft auf mehrere Sitzungen aufgeteilt. Vier bis acht Wochen nach Abschluss findet die Reevaluation statt. Danach beginnt die Erhaltungsphase mit Recall-Terminen alle drei bis sechs Monate.

Frage: Was ist der Unterschied zwischen einer normalen Zahnreinigung und einer Parodontitis-Behandlung?
Antwort: Eine reguläre PZR entfernt Beläge und Zahnstein oberhalb des Zahnfleischrands. Bei einer Parodontitis-Behandlung wird zusätzlich unterhalb des Zahnfleischrands gearbeitet: Zahnstein und infiziertes Wurzelzement in den Taschen werden entfernt und die Wurzeloberfläche geglättet. Das erfordert eine örtliche Betäubung und ist zeitintensiver.

Frage: Muss ich nach der Behandlung meine Mundhygiene ändern?
Antwort: Ja – das ist entscheidend für den langfristigen Erfolg. Ohne eine verbesserte häusliche Mundhygiene kehren die Bakterien zurück. Wir zeigen Ihnen konkret, wie Sie Ihre Reinigungsroutine anpassen – individuell auf Ihre Situation abgestimmt.

Frage: Was passiert, wenn die Behandlung keinen ausreichenden Erfolg zeigt?
Antwort: In einem Teil der Fälle – vor allem bei sehr tiefen Knochendefekten – reicht die nicht-chirurgische Therapie nicht aus. Dann kommen parodontalchirurgische Verfahren in Betracht. Das ist jedoch der zweite Schritt; die meisten Patienten sprechen gut auf die nicht-chirurgische Therapie an.

Über den Autor: Dr. Jens Dreißig ist Fachzahnarzt für Oralchirurgie und seit 1994 in Dinkelsbühl tätig. Er behandelt Parodontalerkrankungen aller Schweregrade und begleitet Patienten von der Befundaufnahme bis zur langfristigen Erhaltungsphase. Er ist Mitglied der DGZMK, DGOI und des Berufsverbands Deutscher Oralchirurgen.

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