Parodontitis: Die stille Gefahr für Ihre Zähne

Medizinisch geprüft am 10.06.2026 von Dr. Jens Dreißig | Fachzahnarzt für Oralchirurgie in Dinkelsbühl


Sie putzen zweimal täglich, es tut nichts weh – und trotzdem baut sich seit Jahren unsichtbar Knochen ab. Parodontitis ist eine der häufigsten Zahnerkrankungen bei Erwachsenen in Deutschland, und sie verläuft in den meisten Fällen so gut wie schmerzlos. Genau das macht sie gefährlich. Dieser Artikel erklärt, was in Ihrem Kieferknochen wirklich passiert, welche Stadien die Erkrankung durchläuft – und warum eine Behandlung in jedem Stadium sinnvoll ist.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Parodontitis ist eine bakterielle Entzündung, die Kieferknochen und Zahnhaltegewebe abbaut – meist schmerzlos.
  • Sie beginnt als reversible Gingivitis und entwickelt sich über Jahre unbemerkt weiter.
  • Verlorener Knochen regeneriert sich nicht spontan – frühes Handeln schützt das Stützgerüst.
  • Die Erkrankung ist behandelbar: Eine Parodontaltherapie stoppt den Prozess zuverlässig.
  • Regelmäßige Kontrolltermine (Recall) sichern das Behandlungsergebnis langfristig.

Was passiert bei Parodontitis im Körper?

Um zu verstehen, warum Parodontitis so tückisch ist, hilft ein kurzer Blick auf das, was unter dem Zahnfleisch geschieht. Jeder Zahn wird von einem komplexen Halteapparat gehalten: Kieferknochen, Wurzelhaut (Parodont), Bindegewebsfasern und Zahnfleisch arbeiten zusammen, damit der Zahn sicher sitzt.

Wenn sich Bakterien in den Zahnfleischtaschen ungestört vermehren können, beginnt der Körper, auf ihre Giftstoffe zu reagieren. Das klingt zunächst nach Selbstschutz – und so ist es auch gemeint. Das Problem: Die körpereigene Immunantwort setzt Botenstoffe frei, die nicht nur Bakterien bekämpfen, sondern auch körpereigenes Gewebe angreifen. Knochen und Bindegewebe werden dabei mit abgebaut. Dieser Prozess ist schleichend, oft über Jahre, und löst kaum Schmerzen aus – weil das Absterben von Knochengewebe keine unmittelbaren Schmerzrezeptoren aktiviert.

Das Ergebnis: Wenn Patienten die ersten deutlichen Zeichen bemerken – lockere Zähne, sichtbar zurückgegangenes Zahnfleisch – ist oft bereits erheblicher Knochen verloren. Und verlorener Knochen kann sich nicht von selbst regenerieren.

Hinweis: Dieser Artikel dient zur allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle zahnärztliche Untersuchung. Bei Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Zahnarztpraxis.

Von der Gingivitis zur Parodontitis: Die Stadien

Parodontitis entwickelt sich nicht über Nacht. Sie hat eine Vorläufererkrankung, die vollständig heilbar ist – die Gingivitis. Wer diesen Übergang versteht, versteht auch, warum frühes Eingreifen so wichtig ist.

Stadium Was passiert Reversibel?
Gesundes Zahnfleisch Kein Bluten, kein Rückgang, fester Halt. Zahnfleischtasche flach (bis ca. 3 mm).
Gingivitis
(Zahnfleischentzündung)
Zahnfleisch gerötet, geschwollen, blutet beim Putzen. Knochen noch intakt. ✅ Vollständig heilbar
Parodontitis leicht Erste Knochenverluste. Taschen vertiefen sich (4–5 mm). Kaum Symptome. ⚠️ Stopp möglich, kein spontaner Kieferaufbau
Parodontitis mittel Deutlicher Knochenabbau, tiefere Taschen (5–7 mm), beginnendes Zahnfleischrückgang. ⚠️ Behandlung stabilisiert; Verlust nicht spontan reversibel
Parodontitis schwer Erheblicher Knochenverlust, Zähne locker, tiefe Taschen (>7 mm), Zähne in Gefahr. ⚠️ Behandlung dringend; Zahnerhalt nicht immer möglich

Die Stadientabelle zeigt: Jede Stufe, die man früher erkennt und behandelt, ist eine Stufe weniger Knochenverlust. Deshalb ist die regelmäßige Kontrolle auch dann sinnvoll, wenn man sich subjektiv gut fühlt.

Warum tut Parodontitis so selten weh?

Das ist die Frage, die viele Patienten stellen – und die gleichzeitig erklärt, warum so viele Menschen zu spät kommen. Die Antwort liegt in der Biologie des Kieferknochens: Knochen enthält Schmerzrezeptoren, die auf plötzliche Druckkräfte oder Verletzungen ansprechen. Der langsame, chronisch-entzündliche Abbau durch Parodontitis aktiviert diese Rezeptoren jedoch kaum.

Hinzu kommt, dass das Immunsystem die Entzündung über lange Zeit auf einem „stillen" Niveau hält – gerade intensiv genug, um Bakterien zu bekämpfen, aber nicht intensiv genug, um spürbare Schmerzsignale auszusenden. Erst bei akuten Entzündungsschüben, die zum Beispiel durch Stress, eine Erkältung oder eine Immunschwäche ausgelöst werden können, kommt es zu plötzlichen Beschwerden. Dann ist aber der Krankheitsprozess oft schon weit fortgeschritten.

Raucher sind in einer besonders ungünstigen Lage: Nikotin verengt die Blutgefäße und unterdrückt die Entzündungsreaktion im Zahnfleisch sichtbar – sie bluten weniger, obwohl die Erkrankung oft stärker ausgeprägt ist. Das Signal fehlt komplett.

Wie stellen wir Parodontitis fest?

Die Diagnose beginnt mit dem Parodontalstatus: einer systematischen Messung der Taschentiefen an allen Zähnen. Mit einer dünnen Messsonde wird dabei die Tiefe der Zahnfleischtasche an sechs Punkten pro Zahn bestimmt. Gesunde Taschen sind bis ca. 3 mm tief; alles darüber hinaus zeigt an, dass das Gewebe geschädigt ist.

Ergänzend beurteilen wir den Befund auf dem Röntgenbild: Wie weit hat sich der Knochen bereits zurückgezogen? Gibt es Bereiche mit besonders starkem Verlust? Bei Bedarf kann unser Planmeca-DVT-Gerät eine dreidimensionale Aufnahme des Knochenniveaus liefern – strahlungsarm und mit hoher Bildschärfe. So erkennen wir auch Knochendefekte, die im zweidimensionalen Röntgenbild nicht sichtbar sind.

Aus Taschenmessung, Röntgenbefund und klinischem Bild ergibt sich das Stadium der Erkrankung – und damit die Grundlage für den individuellen Behandlungsplan.

Was eine Parodontitis-Behandlung bewirkt

Das Ziel der Behandlung ist klar: den Entzündungsprozess stoppen, die Bakterienlast in den Taschen dauerhaft reduzieren und das verbliebene Gewebe stabilisieren. Die Behandlung folgt einem strukturierten Stufenplan:

Schritt 1 – Aufklärung und Hygienephase: Zunächst erklären wir den Befund und arbeiten an der häuslichen Mundhygiene. Ohne konsequentes Zähneputzen und regelmäßige Zahnseide greift jede professionelle Behandlung nur kurz.

Schritt 2 – Professionelle Zahnreinigung (PZR): Beläge und Zahnstein werden vollständig entfernt. Unser NSK Varios Combi Pro – ein modernes Kombisystem aus Ultraschall und Pulverwasserstrahl – reinigt dabei auch empfindliche Zahnhälse und Implantatoberflächen schonend und gründlich.

Schritt 3 – Subgingivale Reinigung (Scaling und Root Planing): Bei tiefen Taschen reinigen wir auch unterhalb des Zahnfleischrands: Zahnstein und infiziertes Wurzelzement werden entfernt, die Wurzeloberfläche geglättet. Das nimmt Bakterien die Angriffsfläche und schafft die Voraussetzung, dass das Gewebe wieder am Zahn anwachsen kann.

Schritt 4 – Laserunterstützte Dekontamination: Der SiroLaser Blue ergänzt die mechanische Reinigung durch gezielte Keimminderung mit blauem Laserlicht (445 nm). Bakterien in schwer erreichbaren Taschenanteilen werden nahezu blutungsfrei und ohne Nähte behandelt. Das Gewebe heilt nach der Laserbehandlung ruhiger und schneller ab.

Schritt 5 – Reevaluation und Recall: Nach einigen Wochen überprüfen wir den Behandlungserfolg: Haben sich die Taschen verflacht? Hat das Gewebe sich erholt? Abhängig vom Ergebnis legen wir das individuelle Recall-Intervall fest – in der Regel alle drei bis sechs Monate.

Wichtig: Parodontitis ist keine Erkrankung, die man einmal behandelt und dann vergisst. Sie ist chronisch und erfordert langfristige Begleitung. Regelmäßige Recall-Termine sind kein optionaler Zusatz, sondern der entscheidende Faktor für dauerhaften Erfolg.

Parodontitis und Zahnimplantate: Ein wichtiger Zusammenhang

Wer Zahnimplantate trägt oder plant, sollte wissen: Eine unbehandelte Parodontitis ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für das Scheitern von Implantaten. Die Bakterienstämme, die das natürliche Zahngewebe angreifen, können auch das Gewebe rund um ein Implantat befallen und eine Periimplantitis auslösen.

Deshalb führen wir vor einer geplanten Implantatbehandlung immer eine vollständige Parodontaldiagnostik durch. Eine bestehende Parodontitis wird zuerst behandelt und stabilisiert – erst dann ist der Kieferknochen die zuverlässige Grundlage für ein langfristig erfolgreiches Implantat.

Für Implantatträger gilt dasselbe Prinzip: Konsequente Prophylaxe und regelmäßige PZR schützen die Implantatoberfläche und das umgebende Knochengewebe langfristig.

Parodontitis im Blick behalten – wir begleiten Sie.

Ob erste Anzeichen oder schon länger bestehende Beschwerden: Eine zahnärztliche Untersuchung zeigt, wo Sie stehen. Dr. Jens Dreißig und das Team in Dinkelsbühl nehmen sich Zeit für Ihre Befundaufnahme – ohne Druck, ohne Vorwurf.

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Häufige Fragen zu Parodontitis

Frage: Warum tut Parodontitis meist nicht weh?
Antwort: Das Zahnfleisch und der Kieferknochen enthalten nur wenige Schmerzrezeptoren, die auf den langsamen, schleichenden Knochenabbau reagieren. Erst bei akuten Entzündungsschüben oder wenn die Zähne bereits locker sind, entsteht ein spürbares Schmerzgefühl. Deshalb ist die regelmäßige Kontrolle beim Zahnarzt so wichtig.

Frage: Kann Parodontitis vollständig geheilt werden?
Antwort: Im strengen Sinne ist Parodontitis eine chronische Erkrankung, die nicht vollständig „geheilt", aber dauerhaft unter Kontrolle gebracht werden kann. Mit einer konsequenten Behandlung lässt sich der Krankheitsprozess stoppen und das verbleibende Stützgewebe langfristig stabilisieren. Verlorener Knochen regeneriert sich nicht spontan.

Frage: In welchem Stadium muss man mit der Behandlung beginnen?
Antwort: So früh wie möglich. Im Stadium der Gingivitis ist die Erkrankung vollständig reversibel. In jedem Folgestadium ist eine Behandlung sinnvoll, weil sie den weiteren Knochen- und Gewebeverlust stoppt – auch wenn verlorene Strukturen nicht vollständig zurückgewonnen werden können.

Frage: Wie oft muss ich nach einer Parodontitis-Behandlung zur Kontrolle?
Antwort: Nach einer erfolgreichen Parodontaltherapie empfehlen wir ein individuell abgestimmtes Recall-Intervall, meist alle drei bis sechs Monate. Dieses Intervall hängt vom Ausgangsstadium, dem Behandlungserfolg und individuellen Risikofaktoren ab.

Frage: Welche Rolle spielt der Laser bei der Parodontitis-Behandlung?
Antwort: Der SiroLaser Blue ergänzt die mechanische Reinigung durch gezielte Keimminderung mit blauem Laserlicht (445 nm). Er erreicht Bakterien in schwer zugänglichen Taschenanteilen nahezu blutungsfrei und ohne Nähte. Das fördert die Gewebeheilung und senkt das Rückfallrisiko.

Über den Autor: Dr. Jens Dreißig ist Fachzahnarzt für Oralchirurgie und seit 1994 in Dinkelsbühl tätig. Er befasst sich seit 1994 mit der Parodontologie und behandelt Parodontalerkrankungen aller Schweregrade – von der Früherkennung bis zur laserunterstützten Therapie. Er ist Mitglied der DGZMK, DGOI und des Berufsverbands Deutscher Oralchirurgen.

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